09 April 2008

Great Yarmouth 08



Wer hätte gedacht, dass ich jemals schon im März an ein Rollertreffen fahren würde. Ich jedenfalls nicht! Da die erste nationale englische Scooterrally traditionellerweise immer an Ostern stattfindet, fiel dieses Jahr das Treffen halt auf den März. Aus Geld- und Zeitmangel beschlossen Claudio und ich, nicht per Roller hochzufahren, sondern die Reise mit Flieger und Mietauto anzutreten. So jedenfalls die offizielle Version. Die Inoffizielle lautet, dass wir einfach nur zu faul und verweichlicht sind. Zum Glück entschieden wir uns fuer die komfortablere Reiseform, wie sich spaeter zeigen wuerde.

Am Donnerstag landeten wir nach einem abenteuerlichen Flug in Luton und fuhren gen Nordosten. Dort suchten wir uns in der Naehe von Gt.Yarmouth ein schoenes Kleinstädtchen am Meer, um uns bei Pub-Grub und Bier auf das kommende Wochenende einzustimmen.

Tags darauf kamen wir, nach kurzer Fahrt der Küste entlang, in Yarmuff an. Es war noch zu früh um im Hotel einzuchecken, also entschlossen wir uns ein wenig die Stadt auszukundschaften. Auf unserer Tour waren wir das erste mal erleichtert dass wir die Roller daheim gelassen hatten. Es herrschte eisige Kälte und ein starker Wind blies uns um die Ohren. Und als ob das nicht schon reichen würde....es regnete auch noch in Strömen! Vom üblen Wetter verscheucht, suchten wir das Hotel auf, wo wir vom Landlord mit einem Tee begrüsst wurden. Welche Wohltat...! Am späten Nachmittag konnte ich Claudio zu einem indischen Nachtessen überreden, welches super lecker war und uns für die kommende Party stärkte.

Endlich konnte das eigentliche Rollertreffen beginnen, denn bald waren wir in einem Pub, das schon voller Scooterists war. Hier trafen wir unsere alten Bekannten und lernten einige neue Leute kennen, mit denen wir ein paar Biere kippten und uns prächtig amüsierten. Da aus den Boxen des Pubs ständig die Scooter-Szene typische Musik dröhnte, waren wir bald in guter Tanz- und Partylaune. Deshalb entschlossen wir uns zum eigentlichen Do im Marina Complex zu übersiedeln. Wir waren früh vor Ort und die Party noch jung, weshalb auf der grossen Tanzfläche im Main Room erst wenige Tänzer ihr Können zeigten. Also benutzten wir die Gelegenheit uns mit Bier einzudecken solange man noch nicht gezwungen war lange an der Bar anzustehen. Leider war in der grossen Halle die Soundanlage so miserabel, dass ich mich schon bald in den kleineren Nebenraum verdrückte, wo die Tonqualität um einiges besser war. Dort stand nähmlich das riesige, authentische 60er-Jahre Soundsystem von Phil Bush.


Sounds & Pressure Soundsystem

Aus dieser Anlage ertönte die ganze Nacht R&B, Ska, Rocksteady, Reggae und Northern Soul. Und was für Tunes das waren....only Killers no Fillers! Dementsprechend gut war auch die Stimmung im Reggae Room. Ab und zu schauten wir mal in den Main Room rein, wo mittlerweile eine Punk Coverband ihr Unwesen trieb. Da die Gruppe aber höchstens mittelmässig war und die Tonqualität derart schlecht, blieb es jeweils nur bei einer Stippvisite. Als die Band ihr Set beendet hatte, stieg die Stimmung markant an und die Tanzfläche im Main Room füllte sich ziemlich schnell. Gerüchten zufolge soll auch ein Exil-Urner auf dem Dancefloor gesichtet worden sein...Zeugen werden noch gesucht! Ich jedenfalls hielt mich fast nur im Nebenraum auf wo die Zeit wie im Fluge verging und schon bald der letzte Tune dieses Freitags erklang. Nun mussten wir nur noch die etwa 130`000 km zurück zu unserem Hotel wandern. Halb erfroren aber total begeistert vom Abend sanken wir in die Betten.

Nach einem ausgiebigen English Breakfast besuchten wir die Customshow und den Teilemarkt. Die Customshow war dürftig: eine Custom PX, ein Chopper zwei Vegas mit PX-Motoren und noch ein paar recht gewöhnliche Lambrettas und Vespen.


Custom Vespa PX

Dafür war aber der Teilemarkt gross und wir erspähten einige interessante Dinge, wie zum Beispiel ein DVD mit Reparaturanleitungen für Vespa und Lambretta oder eine nicht ganz politisch korrekte Kinderpuppe. Nachdem wir uns sattgesehen hatten, entschied sich Claudio für etwas Kultur und besuchte ein Museum über Great Yarmouth. Währendessen vergnügte ich mich mit einer Shoppingtour in der City.
Gegen Abend gingen wir wieder zur Scooterrally-Routine über. Das heisst: Nachtessen, vorglühen im Pub und nachher ab zum Do. An diesem Abend spielte in der grossen Halle Angelo Starr, der jüngere Bruder der leider verstorbenen Soul-Legende Edwin Starr. Er sang, begleitet von einer Band, viele Edwin Starr Songs, aber auch ein paar andere Cover-Versionen. Angelo wäre wahrscheinlich recht gut gewesen, aber die üble Musikanlage....! Claudio verbrachte fast die ganze Nacht im Main Room, während ich mich ständig im Reggae-Room aufhielt, wo die Post noch mehr abging als am Freitag. Heavy Heavy Reggae Tunes!!!


Reggae Room

Leider war auch dieser Teil des Treffens viel zu früh zu Ende.Die Heimfahrt am Sonntag verlief für uns ereignislos. Nicht aber für die Rollerfahrer, welche mit dem Roller unterwegs waren. Eine lange Heimfahrt bei 0 Grad Celsius und Schneefall stelle ich mir nicht gerade wahnsinnig lustig vor....RESPEKT!
Für mich und hoffentlich auch für Claudio hat es sich auf jedenfall gelohnt wiedermal nach England auf ein Treffen zu gehen. Denn da stimmt eigentlich alles: Lustige und interessante Leute, super Musik, gute Partys, feines Bier, eine Rollerszene die lebt und nicht zuletzt ist es immer wieder horizonterweiternd in fremde Länder zu fahren.

Mehr Fotos gibt es hier

(Witschi Blues S.C.)