10 September 2007

Rally dell`Orso (20 Years Orsi delle Alpi Scooterclub)

7.-9. Sept. Marco di Rovereto (I)


In meiner Rollerfahrer-Laufbahn bin ich schon an Treffen in Deutschland, England, Österreich, Irland und natürlich in der Schweiz gewesen. Was ich aber bisher noch nicht geschafft hatte, war ein Treffen im Herkunftsland der Lambretta und der Vespa zu besuchen. Als ich erfuhr, dass Cesa die Absicht hatte dieses Jahr unbedingt an ein italienisches Treffen zu fahren, habe ich sofort zuerkennen gegeben, dass ich da auch mit will.
Unter italienischen Treffen konnte ich mir eigentlich nicht so viel vorstellen. Also erwartete ich ein relativ kleines Treffen mit vorwiegend „Schraubenzähler“ als Besucher und viel Italianita... ich war mal gespannt!

Am Freitagnachmittag war es dann soweit und ich konnte mich nach langen Verhandlungen mit meinem Chef über Sinn und Unsinn von Sonntagsarbeit doch noch in die Vorbereitungen für das Treffen stürzen. Also Zelt eingepackt und den Ortlieb-Alpine-Style-Sack mit Kleidern und Schlafutensilien gefüllt. Jetzt nur noch Töffjacke angezogen und meine Lederhosen mit Tarnhosen bedeckt (es ging ja schliesslich an ein Rollertreffen und nicht in die Blue Oyster Bar) und schon sass ich auf dem Roller und fuhr Richtung Beckenried, wo ich mich mit Cesa traf. So um 17 Uhr war auch er bereit und wir starteten unsere Reise gen Süden. Da wir mit einer X8 und einer GTS unterwegs waren, erreichten wir schon bald die italienische Grenze und fuhren Richtung Mailand. Die verkehrsreiche Autobahn um Mailand kann man in verschieden Geschmackszonen einteilen. Man fährt vom Kuhscheisse-Gebiet in die Alte Socken-Region und danach weiter in den Achselschweiss-Abschnitt. Dies hat den Vorteil dass man recht zügig vorankommt, denn das Verlangen nach guter Luft ist stärker als das Bedürfnis nach Gemütlichkeit. So kamen wir mitten in der Nacht nach ca. 5 1/2 Stunden Fahrt in Marco di Rovereto am Gardasee an.
Etliche Roller standen schon auf dem Parkplatz und wir stellten unsere beiden Fahrzeuge zu den Anderen, um danach das Zelt aufzustellen, uns einzuschreiben und die 10 Euro Eintritt zu bezahlen. Unsere einzige Hoffnung war jetzt nur noch dass wir etwas zu Essen bekommen würden. Da sahen wir auch schon den Pizzawagen, bei dem wir uns sofort mit lecker Pizza eindeckten.
Als wir so gemütlich am Essen und Biertrinken waren, trafen wir auch schon die ersten Bekannten: Die Münchner Jockey und Markus von Jockey`s Boxenstop. Es ist schon lustig, wie man gewisse Leute über Jahre hinweg an den möglichsten und unmöglichsten Orten immer wiedersieht. Das ist mitunter einer der Gründe warum ich überhaupt Scooter fahre. Immer wenn man mit Bayern zusammensitzt kann man sicher sein, das es ein trinkfreudiger Abend wird und so war es dann auch. Bei Bier, Wein und guter Musik haben wir uns den ganzen Abend trotz akuter Übermüdung prächtig unterhalten, bis um vier Uhr die Bars geschlossen wurden und wir uns ins Zelt verzogen.

Am nächsten Morgen schlug dann der Alkohol in Form von Kopfweh erbarmungslos zurück. Um unsere Schmerzen ein wenig zu lindern wollten wir etwas Essen gehen, mussten aber feststellen, dass es auf dem Treffen-Platz nichts zu Futtern gab. Da mussten wir uns halt im Dorf mit Brötchen, Käse und O-Saft eindecken. Verzehrt wurde das alles an einem gemütlichen Piknicktisch auf dem schönen Festgelände. Da nun bis am Abend nichts mehr los sein sollte, legten wir uns nochmals nieder und ich bin an meinem lauschigen Plätzchen für zwei Stunden eingemützt...Herrlich!

Langsam wurde es Abend und wir statteten dem Pizzawagen einen Besuch ab und verdrückten eine Käse-Tomaten-Scheibe. Leider kriegten wir von dem kostenlosen Wein und Käse-Buffet nichts ab, da die anderen Leute brutal schnell waren, wie überall wenn es was Gratis gibt.
Die Party kam langsam in Gang als die DJ begannen Northern-Soul, Ska, Reggae und Mod Musik zu spielen. Nach der etwas zu langen Prämierung wurde es dann erst richtig lustig.Die Musik war Super, die Leute freundlich und in Festlaune und die Tanzfläche immer zum Bersten voll.

Das ganze Treffen deckte sich also absolut nicht mit meinen Erwartungen. Von den „Schraubenzählern“ gab es fast keine, sondern viele Scooterboys und Scootergirls, einige Skins und auch ein paar Mods. Auch war das Treffen alles andere als Klein. Ich bin, um mal frische Luft zu schnappen, mitten in der Nacht raus aus dem Festzelt und da sah ich, dass über hundert Roller auf dem Parkplatz standen. Verhältnisse von denen wir in der Schweiz nur Träumen können. Auch von der Italianita habe ich nichts gespürt. Man hatte eher das Gefühl man sei auf einem britischen Treffen, was mir natürlich sehr zugesagt hat. Trotzdem uns die Party super gepasst hatte und wir in prima Partylaune waren, entschlossen wir uns vernünftigerweise nicht bis ganz am Schluss durchzufeiern, hatten wir doch eine lange Heimfahrt vor uns. Schade eigentlich.

Nach ein paar Stunden Schlaf rotzten wir das Zelt ab und sattelten unsere Maschinen. Anstatt den ganzen Weg über die Autobahn heimzufahren entschlossen wir uns kurzfristig für die Route über das Südtirol und Graubünden. Zuerst ging es ein paar Kilometer auf der Autobahn Richtung Merano. Hier überholten wir unsere Münchner Freunde und konnten uns so noch per Winke-Winke verabschieden. Nach Merano fuhren wir alles Überland durchs schöne, mit Apfelplantagen durchzogene Vinschgau/Südtirol. Nach einem Essenshalt in einem kleinen Kaffe, dessen Name ich vergessen habe, erklommen wir den Ofen und danach den saukalten Flüelapass. Irgendwann kamen wir in Landquart raus und spurten in die Autobahn ein. Jetzt war es nur noch ein Katzensprung in die Innerschweiz. In Luzern angekommen verabschiedete ich mich von Cesa und fuhr noch die letzten Meter nach Hause.
Wie es sich gehört für jemanden aus der Arbeiter-Klasse musste ich gleich noch eine Stunde in die Fabrik Arbeiten gehen, was mir sichtlich Mühe bereitete nach 2x450km Vespafahrt und zwei durchzechten Nächten.
(dm)

Mehr Fotos