Bericht über das Margate 1970 Bank Holiday Revival.
Ein wenig verspätet...aber immer noch besser als gar nicht!
Margate Scooterrally & 1970 Bank Holiday Revival
von Witschi Blues S.C.
Eigentlich hatten Bär und ich geplant, dass wir unsere diesjährigen Ferien in Südengland verbringen, und bei dieser Gelegenheit an die Scooterrally nach Margate fahren würden. Nach reiflicher Überlegung entschieden wir uns jedoch für erholsame Ferien und legten unsere Pläne für Margate vorerst auf Eis. Eines Tages bekam ich von Jefy ein E-Mail mit einem Flyer als Anhang. Darin stand, dass in Margate, gleichzeitig mit dem Rollertreffen, auch ein Skinhead Reggae Do stattfinden würde. Also entschlossen wir uns kurzerhand doch noch nach England zu reisen, aber aus Zeitmangel mit dem Flieger und per Zug.
Also traf sich unser eingespieltes Team wieder einmal im Luzerner Bahnhof, um auf die Britische Insel zu reisen. Nachdem wir im Flughafen London Luton angekommen waren, bestiegen wir sogleich den Zug nach Margate. Allerdings entpuppte sich die Zugfahrt als kleine Odyssee, weil uns ein Bahnangestellter den falschen Weg wies. Aber glücklicherweise kamen wir nach vier Stunden Bahnfahrt doch noch in Margate an.
Ich hatte ja schon einiges über Margate gehört und gelesen, aber was wir dort sahen, übertraf unsere schlimmsten Erwartungen. Ich sage euch, gegen Margate ist Emmenbronx der reinste Garten Eden. Viele Häuser und Wohnungen stehen leer und sind am zerfallen (sogar die Bewohnten), etwa ein Drittel aller Läden wurden aufgegeben und stehen ebenfalls leer. Die ganze Stadt erinnert mehr an eine Geisterstadt als an einen englischen Badeort.
Egal, wir waren ja dort wegen der Party und nicht um Sightseeing zu machen. Also schnappten wir ein Taxi und ließen uns zu unserem B&B chauffieren, wo wir uns erstmal ein wenig hinlegten. Einigermassen erholt machten wir uns auf den etwas längeren Spaziergang in das Zentrum des Städtchens, wo wir unsere Mägen mit saugfähiger Pizza auffüllten, um den nachfolgenden Gerstensaft zu absorbieren. Diesen erstanden wir im „Barnacles-Pub“, welches zum Glück gleich neben dem Veranstaltungsort des Do`s gelegen war. Die Beiz war schon gut mit Scooterists gefüllt, sodass wir sogleich in guter Trinklaune waren. Nach einem Pint oder zwei wechselten wir in die „Sugar Lounge“, wo „DJ Phil Bush“ schon am auflegen war. Wie auch schon in Bridlington, hatte er auch hier wieder seine selbstgebastelte 10000 Watt Musikanlage angeschleppt. Dementsprechend satt wummerten die Bässe, sodass wir von Anfang an in bester Partystimmung waren. Der Raum füllte sich nun allmählich und das Barpersonal hatte alle Hände voll zu tun, um die Gäste mit den edlen Hopfengetränken zu bedienen. Die DJ`s, die zu den besten der aktuellen Skinhead-Szene gehören, sorgten dafür, dass wir die ganze Nacht gute Musik zu hören kriegten. Der abwechslungsreiche Mix aus Ska, Skinhead-Reggae, Motown und Northern Soul war etwas vom besten, das ich seit langem gehört habe. Viele Songs habe ich zum ersten Mal gehört und waren der Hammer!!! So tanzten und tranken wir bis in den Morgen hinein, lernten nette Leute kennen und erfreuten uns an der guten Musik.....
Nach ein paar Stunden Schlaf mit einem Pfeifen im Ohr, machten wir uns am Samstagmittag auf, um an den Händlerständen shoppen zu gehen. Warum man dort Eintritt zahlen musste um überhaupt zu den Ständen zu gelangen, ist mir allerdings absolut schleierhaft. Ich muss ja auch keinen Eintritt zahlen um in der Migros was einzukaufen...oder? Aber was soll`s, bei meinem Einkommen schaut man nicht mehr aufs Geld und wir gingen trotzdem rein.
Nach unserer Shopping-Tour ging es zurück ins B&B wo wir noch ein bisschen dem Kissen lauschten. Als uns nach ein bis zwei Stunden Schönheitsschlaf ein Hungergefühl überkam, marschierten wir wieder in die Stadt zur „Sugar Lounge“, wo man sich vorzüglich mit karibischer Küche verpflegen konnte. So stelle ich mir einen gelungenen Nachmittag vor: Vor einem Pub rumhängen, Bier trinken, lecker Essen, Blödsinn reden und jamaikanischen Klängen lauschen, die aus einer Musikanlage herausklingen!
So verging die Zeit wie im Fluge und schon fand man sich abends wieder beim“ Sounds & Pressure Soundsystem“ ein. Das Publikum bestand, wie auch schon am Vorabend, aus Scooterboys/girls, einigen Mods und vor allem aus Skinheads. Diese hatten, wie immer an den Samstagabenden, ihre besten Anzüge rausgekramt und ich kam mir fast ein wenig underdressed vor, obwohl ich, wie immer, superscharf aussah ;-).
Hinter dem DJ Pult war nun eine Leinwand aufgebaut auf der man DVD`s von vergangenen Rollertreffen betrachten konnte. Die DJ`s heizten auch diesen Abend wieder gehörig ein und spielten einen Hammersong nach dem anderen, natürlich ab Original-Vinyl, wie es sich gehört. Schon bald trat auch schon die spanische Band „ The Pepper Pots“ auf. Mit ihren genialen Soul und Ska-Stücken hatten sie schon nach kurzer Zeit das Publikum in der Hand und es gab kaum jemanden der nicht tanzte und abfeierte. Nachdem die Band fertig gespielt hatte, gaben die DJ`s nochmals Gas und machten richtig Party bis sich der Saal gegen Morgen langsam leerte. Auch wir machten uns auf den Weg ins Hotel, wo wir zufrieden aber erschöpft in den wohlverdienten Schlaf fielen.
Vom eigentlichen Rollertreffen haben wir so gut wie nichts mitbekommen. Der Zeltplatz befand sich etwa 3-5 Kilometer außerhalb der Stadt, und da Bagdad Margate ziemlich langezogen ist, hat sich das ganze Treffen total verlaufen. Leider kam eigentlich nie so richtig eine Rallystimmung auf, was zum Teil auch daran lag, das die ganze Zeit eine Scheißkälte herrschte. So habe ich von einigen Rollerfahrern gehört, dass Margate eines der schlechtesten Treffen der letzten paar Jahre war. Nun könnt ihr euch etwa vorstellen wie erleichtert wir waren, dass wir nicht mit dem Roller da hinaufgefahren sind. Es ist nicht gerade eine tolle Vorstellung 1000 km zu fahren, um sich dann in einem heruntergekommenen Drecksloch den Arsch abzufrieren!
Da aber die beiden Skinhead-Abende genial waren, hat es sich für uns gelohnt. Mit dem Roller fahre ich aber doch viel lieber an ein Treffen dass an einem schönen Ort gelegen ist und wo der Zeltplatz, der Veranstaltungsort und die Pubs nicht meilenweit auseinander liegen.
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